Dauerausstellung "Konzentrationslager Melk"
       
 
Vom April 1944 bis April 1945 bestand in Melk - auf dem Gelände einer Kaserne - ein Konzentrationslager. Die Häftlinge arbeiteten unter lebensbedrohlichen Umständen in den unterirdischen Anlagen. Diese wurden unter dem Decknamen "Quarz" für die vor Bombenangriffen geschütze Produktion von Industrie- und Rüstungsgütern errichtet.
Im Konzentrationslager und im den gewaltigen Stollenalgen - die nie ferrtiggestellt wurden -, kamen so viele Häftlinge um, daß eine eigenes Krematorium im KZ errichtet wurde. Hier wurden über 3500 Menschen verbrannt.
1963 wurde auf Betreiben von Häftlingen im Krematorium des KZ eine Gedenkstätte eingerichtet. 1992 wurdedurch ihre Initiative von Bertrand Perz und Gottfried Fliedl eine Dauerausstellung eingerichtet.
Damals gab es noch wenige Orte in Österreich, an denen man sich über das System der Konzentrationslager und ihre Geschichte informieren konnte. Die Ausstellung dokumentierte also nicht nur die besondere Funktion und Geschichte des melker Lagers - die Planung und Errichtung der unterirdischen Produktionsanlage, den lebensbedrohlichen Alltag der Häftlinge, die Umstände der Arbeit in den Produktionsanlagen, die Evakuierung und Befreiung des Lagers durch die Alliierten und verschiedene Formen der Aufarbeitung nach 1945 -, sondern auch den politischen, wirtschaftlichen und rüstungspolitischen Kontext.
Das Zusammenwirken von Zwangsarbeit, Konzentrationslagern und SS auf der einen und Rüstungsindustrie (hier am Beispiel Steyr Daimler Puch) und Kriegsproduktion auf der anderen Seite wird ausführlich dokumentiert.
 
Die Dauerausstellung ist allgemein ohne Eintrittspreis zugänglich. Falls geschlossen sein sollte, erhält man einen Schlüssel an der benachbarten Adresse Schiesstattweg 8. - Die Gedenkstätte liegt in unmittelbarer Nähe der - wieder militärisch genutzen - "Freiherr von Birago" - Kaserne.
 
Literatur: Bertrand Perz: Projekt Quarz. Steyr-Daimler-Puch und das Konzentrationslager Melk. Wien 1991
Zur Ausstellung: Gottfried Fliedl und Bertrand Perz: Konzentrationslager Melk. Begleitbroschüre zur ständigen Ausstellung in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Melk. Wien 1992 (Eigenverlag)
Abbildungen (von oben unten): Unterirdischer Stollen. Grundriss der Stollenanlage. Im Kampfe wie im Frieden an vorderster Front, Werbung der STEYR-Werke. Arbeit im Stollen, Häftlingszeichnung.
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