glossar : c

Carinhall "Carinhall, der Bunker Görings, wurde in den letzten Tagen des NS-Regimes gesprengt, dann von Raubgräberern geplündert, nun, nach der Wiedervereinigung von Landesarchäologen untersucht, die Reste der von Göring widerrechtlich zusammengetragenen Kunstsamnmlung gefunden haben, u.a. Bruchstücke griechischer Vasen. Weil Göring von den Kunstraubgütern keine Inventare anlegen ließ, ist die Zuordnung zu ehemaligen Besitzern fast unmöglich.
Die Nazis selbst bargen noch zwei Güterwaggons voll von Künstschätzen. Deren Verbleib ist unbekannt. Bodendenkmalpfleger wollen den Bunker als "Sachzeugnis eines dunklen Kapitels deutscher Geschichte" sichern. Umweltschützer wollen den Bunker als Unterkunft für geschützte Fledermausarten herrichten."
FAZ, 18. März 1995 Seite 9
Christo Javashev Christo, geb. in 1935 at Gabrovo, Bulgarien. Zwischen 1952-56 Studium der Malerei, Skulptur und Bühnenbild an der
Akademie der Schönen Künste in Sofia. 1957 Studium in Wien bei Fritz Wotruba. 1958 zieht er nach Paris, zeitweilig Mitglied der Nouveau Réalistes. Ab 1958 beginnt er Objekte zu verpacken.1964 in New York, "store fronts", die 1966 im Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven, und in der Leo Castelli Gallery, New
York gezeigt werden.
1968 verpackt er die Berner Kunsthalle - als erstes 'verpacktes Gebäude'. Teilnahme an der Documenta 4, 5 und 6. 1972 Valley Curtain in Colorado und 1976 Running Fence, California. 1978 Beginn der Arbeiten an der Verpackung des Berliner Reichstages. 1981 'Surrounded Islands'.
Christo: Modell für die Verpackung des Museum of Modern Art in New York 1968
Collage
John Heaertfield: Adolf der Übermensch: schluckt Gold und redet Blech
 
Corpus Als - nobler - Begriff für eine Art von Werkverzeichnis, Werksammlung, Objektbestand, legt er Vollständigkeit, Lückenlosigkeit, Geschlossenheit, Konsistenz und Endgültigkeit nahe.
Ein Verzeichnis von Dingen, die sich zu einem Ding versammeln.
Inbegriff einer Art organischen (die Nähe der Vorstellung zum menschlichen und ganzheitlich gedachten Leib aber auch zum Schatz als einer anderen Art scheinbar organischer Einheit ist nicht zufällig) und natürlichen und insofern - kulturpolitisch - legitimen Einheit als - fingiertem natürlichen - Besitz, oder Erbe, jedenfalls von etwas, das gut dazu geeignet ist, das Nachträgliche, Konstruierte, Fiktive, Unabgeschlossene, aber auch unter Umständen das in seiner Genese Gewaltförmge oder mit einer Leidensgeschichte verknüpfte zu verdrängen.
Curtius, Philippe Philippe Curtius war Schweizer; als Physiker war er mit medizinischen Wachsnachbildungen so erfolgreich, daß er beruflich die Kunst der Wachsbildnerei ausübte. 1766 kommt er auf Einladung des Prinzen de Conti nach Paris, wo er David, Robespierre und Marat kennenlernt. Bei der Übersiedlung nach Paris nimmt er seine Schwester und deren damals sechsjährige halbverwaiste Tochter Marie Gresholtz, die spätere Madame Tussaud, mit, der er die Kunst des Wachsmodellierens beibringt.
Curtius bringt es als einer der ersten zum erfolgreichen Unternehmer im Feld der populären Schaustellung. 1770 eröffnet er eine Wunderkammer, Le Cabinet de Cire, in dem zeitgenössische Berühmtheiten ausgestellt werden; z. B. Voltaire im Stile des sterbenden Sokrates. Dann eröffnete er kurz darauf ein zweites Kabinett am Boulevard du Temple, das u.a. ein Tableau der Königsfamilie beim Essen nach der Sonntagsmesse zeigte. 1783 eröffnete er die Caverne des Grands Voleur, einen Prototyp des Horrorkabinetts mit Verbrechensszenen und Bildern von Verbrechern.
Abb.: P. Curtius: Liegende Schönheit; Madame Dubarry. Die älteste in Madame Tussauds Kabinett noch erhaltene Wachsfigur. Ursprünglich enthielt sie ein Federwerk, das ihre Brust 'atmen' ließ. Heute sorgt dafür ein elektrisch betriebener Mechanismus.