glossar : l

 
Landesmuseum, niederösterreichisches "Wie kommt es nur, daß gerade unser Heimatland Niederösterreich kein solches Landesmuseum besitzt? Niederösterreich, das Zentrum des Reiches, Niederösterreich, das von allen österreichischen Ländern vielleicht den ältesten Kulturboden besitzt, der ungefähr zur selben Zeit bereits von betriebsamen Menschen bewohnt war wie die ältesten Kulturstätten des klassischen Bodens, Kleinasiens und Griechenlands, Niederösterreich, auf dessen Gebiet einst römische Weltherrschaft und Germanentum jahrhundertelang die Kräfte gemessen, die alte Ostmark, welche seit den Tagen Karls des Großen das Bollwerk war gegen die Barbarei des Ostens, gegen Magyaren , Tataren und Türken, Niederösterreich, in dessen Gauen die Geschicke des österreichischen Gesamtreiches entschieden zu werden pflegten, das dem ganzen Reiche den Namen gegeben und von welchem dessen Kultur ausgegangen?"
Max Vancsa 1904
 
Lange Nacht der Museen Der frischgebackene Kultursenator von Berlin, Gregor Gysi während der langen Nacht der Museen in Berlin (2001), begleitet von Mao tse Tung
 
Lehrmittel Vorsätzlich eingesetztes Gerät zur Herstellung jener Leere in Köpfen, in der ganz bestimmte Erklärungen greifen. Besonderes Charakteristikum - befindet sich zum Zeitpunkt akuten Erklärungsnotstandes immer anderswo, entweder gerade in Reparatur, in einem schulischen Hinterzimmer im Regal rechts oben oder auf dem Flohmarkt
Monika Schwärzler
Lenin-Mausoleum Das Lenin-Mausoleum wurde nach dem Tod Lenins im Jahre 1924 gebaut und sehr bald zu einem unumstrittenen symbolischen Zentrum des sowjetischen Reiches. Es steht auf dem Roten Platz der Hauptstadt Moskau. Mindestens zweimal im Jahr - am Tag der Revolution und am 1 . Mai - ziehen (genauer: zogen) Menschenmengen an ihm vorbei, wobei die Staats- und Parteiführung, auf dem Mausoleum stehend, den Massen zuwinkt. Damit wird symbolisch angedeutet, daß Lenins Mumie, die im Mausoleum ruht, sozusagen das Fundament der Staatsordnung ist.
Die Errichtung des Mausoleums hat seinerzeit viele Diskussionen ausgelöst. Die Mehrheit der alten Bolschewiken hat in diesem Projekt die Verherrlichung des einzelnen gesehen, die mit dem marxistisch-kollektivistischen Ansatz nicht zu vereinbaren sei. Auch Lenins Familie war gegen das Mausoleum. Stalin hat sich jedoch mit dieser Idee durchgesetzt, und bald konnte man sich Moskau ohne das Mausoleum nicht mehr vorstellen. Nach dem Zerfall des alten Regimes stellt sich jetzt allerdings erneut die Frage nach dem Weiterbestehen dieses Monuments. Äußerlich erinnert das Mausoleum an ägyptische oder babylonische Pyramiden, in denen antike Herrscher begraben wurden.
Dieser Umstand wurde übrigens von den früheren Gegnern des Mausoleums aus den alten Parteireihen besonders herausgestellt. Gerade dieses Argument aber läßt den Unterschied zwischen dem traditionellen und dem neuen Verständnis des Todes besonders deutlich hervortreten. Die Mumie eines Pharaos durfte nach ihrem Begräbnis von den Sterblichen nicht mehr gesehen werden.
Die Verborgenheit der Mumie innerhalb der Pyramiden galt als vielleicht wichtigste Voraussetzung für das ungetrübte Leben des Pharaos im Jenseits. Die Pyramide war die Hüterin eines Geheimnisses. In ihrem Zentrum walteten Abwesenheit, Unsichtbarkeit, Verborgenheit, das Andere. Die Homogenität des profanen Zeitraums wurde durchbrochen und ein Platz geschaffen für die Möglichkeit einer anderen Existenz.
Boris Groys: Lenin und Lincoln: Zwei Gestalten des modernen Todes aus: ders.: Die Erfindung Rußlands, München, Wien 1995, S.180-186
 
Letzte Ruhe s. Dolly
 
Lustobjekt Im Wort bleibt unentschieden, ob es sich um einen Genitivus subjectivus oder objectivus handelt. Es ist wohl beides.
Es wird nichts generiert ohne Lust. Die Lust braucht ein Objekt. Bleibt sie vorobjektal, dann ist es nur Erregung. So wird das Symbiotische der Verliebtheit, das Psychotische darin, was keine Differenzen mehr machen kann, erst fruchtbar mit der Frage: „Darf ich Dich zum Objekt meiner Lust machen?“ Wird diese Frage nicht gestellt - so oder anders - dann ist nur Kuschelsex möglich.
Nun gibt es auch Objekte - im Sinne von Dingen, von Gegenständen - die der Lust dienen, genauer der Vorlust. Wenn es bei der Vorlust bleibt, dann ist man auf geradem Weg zum Fetischismus.