glossar : n

 
Nachahmung s. Fake
 

 

 
Nationalmuseum Die Summe der kollektiven Bedeutungen der Dinge soll also die Nationalgeschichte ergeben. Zweifellos ist diese Materie gefährlich; aus dem Zusammenhang kann eine Logik entstehen, die im besten Falle eine künstliche Logik, im schlimmsten eine Scheinlogik ist. Die Geschichte erscheint als eine „nicht zufällige“ Abfolge, die Aufreihung der Gegenstande ergibt ex post eine Sinngebung. Die Geschichte erhebt sich aus dem verworrenen Handeln der Menschen und wird zur logischen Geschichte, zur Heilsgeschichte, wobei dann angenommen wird, der gegenwärtige Zustand sei das Heil. Diese Logik ist die Logik des „ Spiegels“: Der „Spiegel“ ist diejenige Zeitschrift, die dem gegenwärtigen Geschehen den Sinn des „Nicht-Zufälligen“ gibt. Nicht zufällig hat Barschel schon vor zehn Jahren. . ., nicht zufällig hat Kohl schon wahrend des Studiums..., nicht zufällig haben die Russen seinerzeit . . . die vom „Spiegel“ produzierte Scheinlogik der Gegenwart ist dieselbe, mit der durch eine Aufreihung von Objekten Geschichte hergestellt wird. Gegenstande neigen nur allzu leicht dazu, eine solche Logik zu erzeugen. Ein schönes Beispiel sind die Pfahlbauer. Sie waren einst der Stolz der Schweizerischen Nationalgeschichte, und es gab kein Schulhaus, in welchem nicht die Bilder vom Alltagsleben der Pfahlbauer hingen: Die Mutter sitzt auf den Brettern vor der Hütte und schaut über den See, ob der Mann schon vom Fischen heimkehrt; die Männer schleppen den erlegten Baren zum Schiff, voller Vorfreude auf die Begrüßung im Pfahlbauerdorf. Die Pfahlbauer waren so schon wie logisch, und als in den dreißiger Jahren deutsche Gelehrte erstmals publizierten, daß es die Pfahlbauer gar nicht gab, führte dies sogar zu diplomatischen Verwicklungen mit der Eidgenossenschaft. Deutlich spurten die Schweizer, daß sich hier die kulturelle Eroberung und Vernichtung ihres Landes vorbereitet: nicht zufällig kam damals auch Hitler zur Macht...
Lucius Burckhardt: Wie kommt der Müll ins Museum?
Nippes Gebräuchlich seit dem 17. Jahrhundert, soviel wie Feken und Lumpen, Kram und Plunder; Abgetragene Kleidung.
'Kleidung, Möbel und alles was zur Einrichtung und zum Putz gehört'.
Im Pariser Slang: bien nippé = gut gekleidet. Oder: nippes gleich tande, Kleinfiguren oder Vasen aus Porzellan.
Die Nähe des Wortes zu 'gut gekleidet' führt uns zum Dandy Charles Baudelaire, zum Dandy einerseits, dessen einzige Distinktion die Wahl der Kleidung und der Aufwand der mit dem Bekleiden getrieben wird, ist und zu seinem Brief an Madame Sabatier vom 25. September 1857, in dem es um 'Nippes' geht: "Meine geliebte Freundin, Ich habe gestern eine gewaltige Dummheit begangen. Da ich wußte, daß sie alte Dinge und Nippes lieben, hatte ich seit langem ein Tintenfaß im Auge, das Ihnen gefallen könnte. Doch ich wagte nicht, es Ihnen zu schicken.
Einer meiner Freunde bekundete die Absicht, sich seiner zu bemächtigen, und das hat mich entschieden. Doch stellen Sie sich meine Enttäuschung vor, als ich ein abgenutztes, abgestoßenes und verkratztes Objekt fand, das doch hinter der Schaufensterscheibe so hübsch ausgesehen hatte.Die große Dummheit ist die folgende: ich habe weder meine Karte, noch ein Wort für Sie bei dem H■ndler gelassen, so daß der Gegenstand sicher wie ein Geheimnis bei Ihnen aufgetaucht ist: ich bin der schuldige. Verdächtigen Sie also niemand. Erst heute abend habe ich über meine Dummheit nachgedacht. Glauben Sie an die w■rmsten Gefühle Ihres ergebenen Freundes und Dieners.
Ch. Baudelaire
 
Nostalgie Beispiele hierfür findet man ausreichend im Museumsshop etwa vom Victoria & Albert Museum, wo das Kunstgewerbe des viktorianischen Zeitalters gnadenlos vermarktet wird.
Im Kaufhaus oder Versand gibt es fast überall die amerikanischen Kitchen-Aid-Maschinen, Stromlinientoaster oder Trichtergrammophone, welche innen mit CD-Player ausgestattet sind.
Die Oldtimer- und Replika-Ästhetik verschönt die Warenwelt auch im Museumsshop.
Die vielen Retro-Trends gehören zu einer komplexen Trendwelt, die mit vielfältigen Produkten zum „großen Heimweh“ beiträgt. Hier formiert sich, wie auch die Konjunktur von Ausstellung und Museum demonstriert, eine Gegenbewegung zu den Phänomenen der sogenannten Virtualisierung, Entkörperlichung, Entr■umlichung, Entzeitlichung etc. Die nostalgische Sehnsucht richtet sich auf Qualit■ten wie authentisch, handwerklich, patiniert, glaubwürdig, denn wir wollen Bewährtes, Rührendes, Historisiertes, Verklärtes. (Matthias Horx). Beispiel für den Grenzverlauf zwischen Nostalgie und sogenannten klassischen Produkten bietet das Versandhaus 'Manufactum' im nordrheinwestfälischen Marl. Je nachdem wo man die Kriterien anlegt, lassen sich auch Teile vom Sortiment des Bauhaus-Archiv-Shops in Berlin als nostalgische Stimmungstr■ger ausmachen.
Ulrich Giersch
 
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