glossar : o
 
Objekt (1) Für die Psychoanalyse ist das Objekt, an dem der Trieb sein Ziel der Befriedigung zu erreichen sucht, nicht fest mit ihm verbunden, sondern nur lose und austauschbar mit ihm verknüpft. Die Genese der Objekte (immer nur mythologisch zu erfassen) schreibt sich ein in einen ursprünglichen Verlust: in die Trennung vom fötalen Versorgungsorganismus. Was so dem kleinen Menschen zum Objekt wird, an dem es Befriedigung sucht, steht ein für etwas, das früher zu ihm gehörte: für einen verlorengegangenen Teil seiner selbst. Daher ist immer ein Stück Identifizierung mit dem Objekt im Spiel, was die kontroverse Diskussion von Subjekt-Objektbeziehung, von internen Objekten, guten und bösen, Partialobjekten und gar genitalen Objekten so kompliziert und schwer verständlich macht.
Ein Beitrag zur Lösung dieses Problems ist zu finden in Stasiakten, wo es immer wieder heißt: „ab soundsoviel Uhr Ruhe im Objekt“. Diese schließlich gefundene Ruhe währt ein paar Stunden, dann setzt die Bewegung (der nie zu stillende Trieb) wieder ein.
Ob ein Objekt das „richtige“ oder das „falsche“ ist, spielt keine Rolle, solange es ab und zu etwas Ruhe schenkt, ein wenig Befriedigung.
 
Objekt (2) Anders als in den Schriften der Bibliotheken und Archive, in welchen sich ein Wissen sammelt, ordnet und aufbewahrt, stellen sich in den musealen Objekten Begegnungsmöglichkeiten mit dem Körper und seinen Teilen und damit auch mit dem Tod her. Denn es ist zuallererst das Gegenständige des Objekts, mit dessen Hilfe sich der Mensch als Subjekt konstituiert und dem er seine primäre Identität der Körperhaftigkeit verdankt. ... Umgekehrt werden die Gegenstände für immer die Marken dieses Subjektivierungsprozesses tragen, was ihnen bisweilen animistische Kraft verleiht, was sie vor allem in den Stand von Objekten der Liebe und Leidenschaft erhebt. ... Im Suchen, Sammeln und Zählen der Dinge offenbart sich daher immer auch ein Streben, ein ursprüngliches, aber unmögliches Objekt wiederzufinden und den Ur-Sachen seiner Geschichte zu begegnen.... Hingegen stellt das Konservieren von Gegenständen nicht nur einen Überwindungsversuch des Todes der Körper dar, sondern bedeutet auch Trauerarbeit angesichts der Unausweichlichkeit des Vergehens und Verlöschens. ...Im Ausstellen schließlich äußert sich ein besonderes menschliches Begehren, das, weil es an das Auge gebunden ist, stets den Blick sucht. Im Museum werden wir auch von den Gegenständen angeblickt, und unser Genießen dabei ist umso stärker, je mehr diese funkeln...
August Ruhs
Objekt (3) Ausgedehntes Ding mit einem Hang zur Trägheit. In ewig begrifflicher Abhängigkeit von seinem Subjekt und im Wechselspiel mit diesem alle Herrschaftsverhältnisse der Welt begründend. Ansonsten aber frei und für sich existierend. An und für sich auch da, dagegen aber ansich rein gar nichts. Monika Schwärzler
 
Allen McCollum: 5 Perfect Vehicles, 1986, Acryl auf Gipsguß, je 50x22cm, Galerie Grita Insam, Wien
 
Objekt s. Ballspenden s. Museumsobjekt s. Reliquie s. Rest s. Überrest
Objets dérobés Im Museumsshop des Pariser Musée d’Orsay wird in Zusammenarbeit mit dem Centre de Distribution de la Réunion des Musées Nationaux seit etwa zwei Jahren eine Edition von Artikeln angeboten, die als dreidimensionale Kopie zu legendär gewordenen Objektmotiven angefertigt werden, die man in den entsprechenden Meisterwerken dargestellt findet.
Hierzu zählen etwa das Absinthglas von Degas oder der Schmuck von Manets Olympia. Mittlerweile gibt es eine ganze Kollektion von Artikeln, die aus der Serie „Objets dérobés“ und „Les Bijoux dérobés“ stammen. Eine Traditionslinie dieser Verkaufsidee führt im deutschen Sprachraum zu den betenden Hände von A.Dürer, die in zahlreichen Materialien bereits massenhaft aufgelegt worden sind.
Ulrich Giersch
Objet trouvé Vorgefundene Dinge. - Aus anderen Zusammenhängen genommene, vom Menschen hergestellte oder Naturgegenstände, denen in ihrer Isolation ein anderer Formcharakter und Aussagewert beigelegt wird.
 
Öffentlichkeit
 
"Ein Stück Öffentlichkeit konstituiert sich in jedem Gespräch, in dem sich Privatleute zu einem Publikum versammeln. Sie verhalten sich dann weder wie Geschäftsleute oder Berufstätige, die ihre privaten Angele-genheiten aushandeln, noch wie gehorsamspflichtige Rechtsgenossen, die den legalen Weisungen der Bürokratie unterstehen. Als Publikum verhalten sich die Bürger, wenn sie ungezwungen, also unter der Garantie, sich frei versammeln und vereinigen, frei ihre Meinung äußern und veröffentlichen zu dürfen, über Angelegenheiten allgemeinen Interesses verhandeln."
Jürgen Habermas: Stichwort 'Öffentlichkeit' in Lexikon 'Staat und Politik'. Frankfurt 1957, S.220ff.
 
Öffentlichkeit s. Freier Eintritt
 
Oldenburg, Claes Geboren 1929. Zusammen mit Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Tom Wesselmann und James Rosenquist, Mel Ramos, Wayne Thibaud und Edward Ruscha 'Vertreter' der Hard-Core-Pop Art.
Mit Alan Kaprow, George Segal und Jime Dine Veranstalter erster multimedialer Happenings.
1977 zeigt er im Museum of Contemporary Art in Chicago das - seither beibehaltene - 'Mouse Museum'.
 
Opfergabe s.Sammelobjekt
 
Ordnung "Für das einsame Wesen Mensch kann nichts wertlos sein, deshalb darf es nichts wirklich aufgeben: Wie zur bewußten Mahnung daran baut er für ausgesucht Abgelebtes Museen. Erst dieses Medium weist als dauerhaft aus, was doch eigentlich willkürlich zusammengetragener Abfall ist. Den meisten Sammlungen liegt gar keine konsistente Theorie zugrunde, die museale Inszenierung dient vielmehr dazu, die Arbitrarität ihrer Ordnungen zu überspielen. Die Magazine und Depots sind Müllhalden der Museen selbst: Orte unseres kollektiven (und schlechten) Gedächtnisses, Verschiebestätten." Wolfgang Ernst,1986
s. Schatz der Erinnerung
 
Original Michael Badura: Original und F■lschung. 1969 aus: Imitationen. Das Museum als Ort des Als-Ob.Köln 1991
s. Fake
 
Originalität s. Authentizität