GUSTAV KLIMT
Die Welt in weiblicher Gestalt
Kapitel "Der Kuss"
   
   
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Die dramatische Krise der männlichen Identität sucht einen Ausweg in der Identifikation mit der Frau und in der Entdeckung der eigenen weiblichen Anteile - diese waren im Beethoven-Fries noch als ängstigende 'feindliche Mächte' abgespalten und abgewehrt worden - aber um den Preis, daß das Bild der Frau dem des Mannes eingeschrieben wird und daß es damit zugleich das Prinzip der Männlichkeit symbolisieren muß.
Die phallische als symbolische Form ist zugleich ein Verweis auf die unauflöslich bestehen bleibende Getrenntheit der Geschlechter - von der dieses Bild mehr zu sprechen scheint, als von ihrer möglichen Vereinigung.
Gert Mattenklott hat auf dasselbe Phänomen bei den Zeichnungen aufmerksam gemacht:
"Eine größere Gruppe von Zeichnungen zeigt Mädchen oder junge Frauen in langen, meist schmalen futteralartigen Gewändern. Bis auf den Kopf... bleibt hier der gesamte Körper verborgen...Die manchmal trapezartigen, meist aber schmalen, hochgezogenen Formen verbergen jede weibliche Körperdifferenzierung, um eine einzige Ähnlichkeit nahezulegen, die mit einem Phallus.
 
 
 
 
 
 
 
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