Viele Wege führen ins Unglück, notiert Daniel Defoe im Exil in Bristol 1692, wohin es ihn auf seiner Flucht vor Gläubigern verschlägt, um als möglichen Ausweg aus dieser mißlichen Lage drei Alternativen anzufügen: entweder man werde zum Selbstmörder, Verbrecher oder Projektmacher. Letztere Kategorie, für die sich Defoe längst entschieden hat, charakterisiert Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1908 als jemanden, "der sich im Entwerfen neuer, meist unausführbarer Pläne gefällt."
Allein das Scheitern scheint demnach das unvermeidliche Ergebnis dessen zu sein, worin diese neuen Pläne enden. Doch der Projektmacher vermag entgegen seiner denkbar schlechten Reputation eine spezifische Produktivität zu entfalten, um durch seine vermeintlich mißlingenden Innovationen dem Fortschritt zu genügen und zur Genese neuen Wissens beizutragen.
Dabei ließe sich der Projektmacher als Vertreter einer Wissensproduktion verorten, die sich abseits der konventionellen Bahnen, in Opposition zu den Akademien und etablierten Institutionen ereignet. Der Projektmacher spielt - nicht nur mit dem Risiko des Mißlingens. Er tritt auf als Meister der Delegation: seine Pläne schmiedet er vorgeblich für den Nutzen der Allgemeinheit, die er von anderen mit dem Geld Dritter auszuführen beabsichtigt.
Der Projektmacher als Nutznießer oder Parasit. Sollte der Plan entgegen aller Erwartung glücken, gelangt sein Initiator dagegen zu plötzlichen Ehren, und das, was vorher ein Projekt war, wandelt sich zur Errungenschaft, zum glänzenden Werk, zur gelobten Erfindung, wobei man diese unter oftmals veränderten Vorzeichen und anderen Namen kanonisiert. Der Projektmacher als Opfer von Nutznießern.
Der Text ist ein Auszug aus der Ankündigung der Tagung Über Projektemacherei. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns Eine Tagung des Lehrstuhls für Geschichte und Theorie der Kulturtechniken 11.­12. April 2003
 
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Ausstellung im ehemaligen Konzentrationslager Melk
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