Museion/Museum. Eine Geschichte des Museums der Moderne
Inhalt des Forschungsvorhabens ist die Erarbeitung einer Geschichte des Museumswesens mit dem Schwerpunkt des Zeitraumes von etwa 1790 (Französische Revolution) bis zur Gegenwart. Ganz vordergründig geht es um ein Desiderat: angesichts einer unglaublichen Kluft zwischen speziellen museumshistoriografischen Untersuchungen einerseits aber dem eklatanten Mangel an zusammenfassenden und doch problemorientierten Texten andrerseits, ist es mein Ehrgeiz, eine Überblick bietende Gesamtdarstellung zu versuchen.
 
 
Ziel der Arbeit aber ist, eine Darstellung der Geschichte des Museumswesens als Reflexion der Strukturen und Funktionen des Museums zu nutzen. Seit dem Erscheinen der letzten, größere Zusammenhänge verfolgenden museumsgeschichtlichen Publikationen, ist das Museum in eine zentrale Position in vielen disziplinären Diskursen geraten. Museumstheoretische Debatten haben einen unglaublichen Fortschritt genommen. Anders gesagt, geht es nun darum, jene reflexive Bestimmung des Museums, das ihm als Schlüsselinstitution der Moderne als kritisch-erinnernde und repräsentierende Instanz eingeschrieben ist und in den genannten geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskursen zugewiesen wurde, auf seine Geschichte selbst anzuwenden.
Museumsgeschichtliche und museologische Problemstellungen sollen miteinander zu verwoben werden. Schwerpunkte der Darstellung sind: Musealisierungstheoreme, wie das vom Zusammenhang von Museum und Kompensation, also Theoreme, die die Entwicklung des Museums nachdrücklich auf soziale und ökonomische Modernisierungsprozesse beziehen und seine Enstehung und Funktionvor dem Hintergrund der Dialektik vonTraditionsbruch und historischem Bewußtsein analysieren; also die Frage nach dem Museum als einer Instanz der Moderne, d. h. bestimmt von einer Dialektik von Kontinuität und Bruch, von Tradition und Historie mit vollkommen neue Formen kollektiver Selbstrepräsen-tationen und Identitätsbildung.
Das Museum als ‚Identitätsfabrik‘, d.h.sowohl als Ort des 'Sich-Sammelns', des gemeinsamen Besitzes, Erbes, wie auch als Agentur kollektiver Repräsentation und Selbstauslegung von Gesellschaften und Gruppen; der Formierung eines ‘kollektiven Selbst’, von 'Imagined Comminities', aber auch des 'Diskurses des Anderen', das diesen - in 'postnationalen 'und 'postkolonialen' Konzepten - nicht auszuschließen sondern ihm Möglichkeiten der Artiukulation zu bieten sucht; schließlich das Museum als ‚technisches und als soziales Gedächtnis‘, das heißt als Speichermedium und als Ort kultureller Öffentlichkeit und des kulturellen Gedächtnisses, also auch seine Rolle in der Gedächtnispolitik von Nationen und Gesellschaften im Spannungsfeld von triumphalistischer Evokation und Offenhalten traumatisierender Erfahrungen.
Die Entwicklung der Museumsöffentlichkeit und der im und durch das Museum etablierten sozialen Distinktionen sowie Fragen der gesellschaftlichen und politischen Verfügung über das Museum als eine der heute, z. B. unter dem Stichwort Privatisierung, Teilrechtsfähigkeit oder Ausgliederung wieder virulent gewordenen Grundfragen; und last but not least die die Entwicklung des Museums immer wieder interpunktierende Abarbeitung der ästhetischen Avantgarde am Museum und an Musealisierungsprozessen, sei es in Form der museumsstürmerischen Destruktion oder Negation oder sei es in Form der Reform, Intervention bzw. Re-Definition etwa im ‘Autoren-’ oder ‘Künstlermuseum’.
         
Leseproben